Herzlichen Glückwunsch – deine Bachelorarbeit steht an. Der letzte Schritt auf dem Weg zu deinem Abschluss. Hier solltest du dir bewusstwerden, dass du einen sehr großen Teil bereits erfolgreich gemeistert hast.
Eventuell hast du von deinem Professor oder deiner Professorin den Hinweis bekommen, dass du quantitativ, also datengetrieben forschen sollst. Falls deine bisherige Forschung eher qualitativ war oder du noch gar nicht empirisch forschen musstest, kann diese Aufgabe sehr überfordernd wirken. Aber keine Sorge, mit der folgenden Anleitung begleiten wir dich Schritt für Schritt auf dem Weg zu deiner Studie inklusive Auswertung.
Bachelorarbeit Thema finden
Als allererstes musst du dir Gedanken machen, welches Thema du überhaupt bearbeiten möchtest. Dieses muss sich dann auch für eine quantitative Untersuchung eignen. Daher erkläre ich dir ganz kurz, was quantitativ forschen überhaupt bedeutet:
Was ist quantitative Forschung?
Bei der quantitativen Forschung geht es um Informationen in Form von Zahlen. Du sammelst also Daten, die du später analysieren kannst. Vorher stellst du dir aber natürlich eine bestimmte Frage und formulierst Hypothesen, was möglicherweise herauskommen könnte. Diese Hypothesen überprüfst du dann. Die gesammelten Daten werden also mit statistischen Methoden ausgewertet.
Welche Methoden der quantitativen Forschung gibt es?
Standardisierte Befragung: Verwendung von einheitlichen Fragebögen, um gezielt Ansichten oder Entscheidungen (wie zum Beispiel in Bezug auf politische Wahlen) in der Gesellschaft zu erfassen. Dies kann online, schriftlich, mündlich oder telefonisch erfolgen.
Standardisierte Beobachtung: Geplante und einheitliche Beobachtung von natürlichem Verhalten in Alltagssituationen, um unverfälschte Handlungsmuster zu dokumentieren (z. B. Einkaufsverhalten).
Standardisierte Inhaltsanalyse: Strukturierte Untersuchung existierender Datenquellen wie Presseartikel, TV-Sendungen oder Musikstücke nach festgelegten Kriterien, um bestimmte Merkmale oder Trends zu identifizieren (z. B. wie sich die Darstellung von Familie in TV-Sendungen seit den 1950ern verändert hat).
Experiment: Durchführung von Experimenten unter kontrollierten Bedingungen, meist in Laborumgebungen, um spezifische Hypothesen zu testen und Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu untersuchen (z. B. wie Probanden auf bestimmte Lichtreize reagieren).
Physiologische Messung: Einsatz spezieller Messgeräte zur präzisen Erfassung physischer Parameter, beispielsweise zur Ermittlung medizinischer Kennzahlen wie des Blutdrucks.
Unterschied zur qualitativen Forschung
Im Gegensatz zur qualitativen Forschung, die sich auf persönliche Erfahrungen und Meinungen konzentriert, geht es bei der quantitativen Forschung darum, messbare Fakten und Zahlen zu liefern. Bei einem quantitativen Verfahren werden demnach empirische Beobachtungen über ausgesuchte Merkmale systematisch und mit möglichst vielen Daten bzw. Zahlenwerten belegt, während es in der qualitativen Forschung um eine detaillierte Analyse von Einzelfällen geht. Man möchte hier eher die subjektive Sicht von einzelnen Personen oder ein komplexes Phänomen in seiner ganzen Tiefe abbilden.
Typische Beispiele für quantitative Forschung in der Praxis
Sehr häufig dienen Umfragen mit bestimmten Fragebögen dazu, wertvolle Daten zu sammeln.
Zur einfachen Veranschaulichung stellen wir uns vor, wir möchten eine Studie zur Kundenzufriedenheit in einem Restaurant durchführen. Hier könnte der Ablauf wie folgt aussehen:
Forschungsfrage: „Wie zufrieden sind die Gäste mit dem Service und der Qualität des Essens in unserem Restaurant?“
Methode: Eine quantitative Online-Umfrage wird entwickelt, die verschiedene Aspekte des Restaurantbesuchs abdeckt.
Fragebogen: Der Fragebogen enthält geschlossene Fragen mit Bewertungsskalen, zum Beispiel:
„Auf einer Skala von 1-10, wie würden Sie die Freundlichkeit des Personals bewerten?“
„Wie zufrieden waren Sie mit der Qualität des Essens? (sehr zufrieden / zufrieden / neutral / unzufrieden / sehr unzufrieden)“
Durchführung: Die Umfrage wird an Gäste verschickt, die in den letzten 30 Tagen das Restaurant besucht haben.
Datenanalyse: Die gesammelten Antworten werden statistisch ausgewertet, um Durchschnittswerte, Trends und mögliche Zusammenhänge zu identifizieren.
Ergebnisse: Die Auswertung könnte zeigen, dass 80% der Gäste mit dem Service sehr zufrieden sind, während nur 60% die Qualität des Essens als sehr gut bewerten.
Diese empirische Studie liefert dem Restaurant also quantifizierbare Daten zur Kundenzufriedenheit, die als Grundlage für Verbesserungsmaßnahmen dienen können
Welche quantitative Forschung eignet sich für meine Bachelorarbeit?
Diese Frage ist natürlich sehr individuell zu beantworten, da es verschiedenste Fachbereiche gibt. Du solltest in jedem Fall darauf achten, dass du eine abhängige und eine unabhängige Variable hast. Die abhängige Variable ist nicht durch dich veränderbar. Untersuchst du zum Beispiel die Konzentrationsfähigkeit von Probanden mit oder ohne Einfluss von Vogelgezwitscher im Hintergrund, dann ist die Konzentrationsfähigkeit deine abhängige Variable. Diese kannst du nicht steuern oder verändern. Das Vogelgezwitscher ist die unabahängige Variable. Diese kannst du ändern, in dem du ein anderes Geräusch aussuchst. Es wird also immer der Einfluss der unabhängigen auf die abhängige untersucht.
Zur besseren Veranschaulichung haben wir dir im Folgenden einmal exemplarisch einen Vorschlag für eine quatitative Studie zum Bereich Betriebswirtschaftslehre zusammengetragen:
Beispiel für eine quantitative Studie in BWL
Thema: „Einfluss von Homeoffice auf die Produktivität in mittelständischen Unternehmen“
Dieses Thema kann man dann noch genauer spezifizieren, indem man festlegt, wie genau Produktivität eigentlich gemessen werden soll. Hier könnte man ganz einfach die Umsätze bestimmter Unternehmen betrachten. Dazu muss man natürlich annehmen, dass sich Produktivität in den Umsätzen niederschlägt, was du in der Theorie eventuell aufzeigen und diskutieren kannst.
Hypothesen aufstellen:
So kannst du auch zu deinen Hypothesen gelangen, wobei die die Alternativhypothese (H1) annimmt, dass ein Effekt oder Unterschied existiert. Die Nullhypothese (H0) geht hingegen davon aus, dass kein Effekt oder Unterschied vorliegt.Hier ein Beispiel:
H1: Die Einführung von Home-Office für Mitarbeitende von Unternehmen ABC führt zu einer Steigerung des Umsatzes im Jahr Y im Vergleich zu Jahr Z ohne Home-Office-Möglichkeit.
H0: Die Einführung von Home-Office für Mitarbeitende von Unternehmen ABC führt zu keiner signifikanten Änderung des Umsatzes im Jahr Y im Vergleich zu Jahr Z ohne Home-Office-Möglichkeit.
Die Richtung der Hypothesen legst du selbst fest. Es kann auch eine H1 geben, die ungerichtet ist. Das wäre hier z. B.:
H1: Die Einführung von Home-Office für Mitarbeitende von Unternehmen ABC führt zu einer Änderung des Umsatzes im Jahr Y im Vergleich zu Jahr Z ohne Home-Office-Möglichkeit.
Hier lässt du offen, ob es Einbußen oder Steigerungen bzgl. des Umsatzes gab. Ob du deine Hypothesen gerichtet oder ungerichtet aufstellen solltest, hängt also von deinen Erwartungen ab, die du z. B. aus der Theorie ableitest.
Störvariablen minimieren:
Du solltest auch darauf achten, dass Störvariablen minimiert werden. Indem du nur bestimmte Jahre bei allen Unternehmen vergleichst, könnte man die generelle Marktsituationen in einer Industrie in einem bestimmten Jahr möglicherweise konstant halten. Hier wären auch die Standorte wichtig. Man müsste also am besten nur Unternehmen aus einem Bundesland, einer Branche usw. untersuchen, um die Effekte auch tatsächlich auf das Home-Office zurückführen zu können. Größere andere firmeninterne Umschwünge sollte es bestenfalls auch nicht geben. Es ist nicht immer leicht, dies alles zu gewährleisten, aber genau das, kannst du in deinen Limitationen und der Diskussion unterbringen und diskutieren.
Forschungsmethode:
Nun stellt sich die Frage, wie diese Hypothesen geprüft werden können. Dazu könnte man bei verschiedenen Unternehmen anfragen oder selbst recherchieren, wann diese Home-Office für ihre Mitarbeitenden eingeführt haben und wann dies noch nicht möglich war. Danach muss man natürlich auch die Umsätze in den entsprechenden Jahren herausfinden, um diese vergleichen zu können.
Habt ihr genug Daten gesammelt, kann man die Umsatzunterschiede eventuell mit einem t-Test, also mit einem Mittelwertvergleich analysieren. Dieser gibt euch dann aus, ob es einen signifikanten Unterschied gab. Wenn ihr noch die Stärke dieses Effekts ausrechnen möchtet, hilft euch ein Effektstärkenmaß wie Cohen’s d. Für die statistischen Berechnungen stehen euch verschiedene Programme wie SPSS zur Verfügung.
Ihr könnt euch dafür aber auch gerne professionelle Hilfe holen, damit ihr eine ausreichend hohe Stichprobenanzahl und die richtige Auswahl der statistischen Methoden gewährleisten könnt.


