Gendern in wissenschaftlichen Arbeiten

In wissenschaftlichen Texten wird oft darauf geachtet, genderneutral zu formulieren und das generische Maskulinum (nur Nennung der männlichen Form) zu vermeiden. Traditionell steht es zwar für alle Geschlechter, heute gilt dies aber als unzureichend im Hinblick auf eine geschlechtergerechte Sprache. In unserem Blogbeitrag stellen wir verschiedene Ansätze vor, wie Gleichberechtigung im Text erreicht werden kann und weisen auf mögliche Probleme hin. Durch praktische Beispiele möchten wir diese Herausforderungen verdeutlichen und Wege aufzeigen, wie sie vermieden werden können.

Achtung: Keine der Versionen gilt per se als richtig. Hier solltest du nach deinen oder den Präferenzen deiner Lehrkraft entscheiden.

Partizip verwenden

Es gibt Fälle, in denen sich im Deutschen nicht immer offensichtliche Möglichkeiten für geschlechtsneutrale Formulierungen bieten. Ein paar Partizipformen dürften aber durchaus geläufig geworden sein wie etwa „Studierende“ anstelle von „Studenten und Studentinnen“ oder „Lehrende“ anstatt „Lehrer und Lehrerinnen“.

Synonyme finden

Auch die Verwendung von Synonymen kann helfen, Geschlechterstereotype zu vermeiden. Anstelle von „Zuschauern“ könnte man zum Beispiel einfach vom „Publikum“ oder statt von „Besuchern“ eher von „Gästen“ sprechen. Man sollte jedoch darauf achten, dass einige Formulierungen wie „Mitgliederin“ statt „Mitglieder“ als übertrieben gelten und vermieden werden sollten.

Es gibt jedoch auch Fallstricke bei vermeintlich geschlechtsneutralen Formulierungen, die ungewollt gesellschaftliche Hierarchien verstärken können. Beispielsweise wäre es besser, von „medizinischem Personal“ anstelle von „Krankenschwestern und Krankenpflegern“ zu sprechen, um alle Geschlechter gleichwertig zu repräsentieren. Ähnlich sollte man lieber „Reinigungskräfte“ anstelle von „Putzfrauen und -männern“ schreiben.

Es gibt sowohl Vor- als auch Nachteile bei der Verwendung geschlechtsneutraler Sprache. Einerseits werden alle Geschlechter angemessen repräsentiert und Dopplungen vermieden, andererseits kann dies zu einem Verlust an Präzision führen, insbesondere bzgl. Fachsprachen. Es stellt sich die Frage, ob Begriffe wie „Kaufende“, „Mietende“ und „Wählende“ tatsächlich synonym zu „Käufer:innen„, „Mieter:innen“ und „Wähler:innen“ sind.

Gendersternchen

Wenn geschlechtsneutrale Bezeichnungen nicht möglich sind, bietet sich das Gendersternchen als Option an. Es wird zwischen die maskuline und die feminine Endung gesetzt, zum Beispiel: „Leser*in„, „Patient*in“ und so weiter. Die Verwendung des Gendersternchens ermöglicht es, alle Geschlechter einzuschließen und eine inklusive Sprache zu fördern.

Es kann aber schwierig sein, Formen mit einem Umlaut zu handhaben, wie zum Beispiel Arzt und Ärztin oder Koch und Köchin, da dies die Lesbarkeit beeinträchtigen kann. In solchen Fällen ist es möglicherweise besser, beide Formen zu nennen, wie zum Beispiel der Arzt oder die Ärztin.

Doppelpunkt

Eine weitere Möglichkeit, geschlechtergerechte Sprache zu verwenden, besteht darin, anstelle des Gendersterns einen Doppelpunkt zu setzen, wie beispielsweise bei „Schüler:innen„, „Leser:innen“, „Proband:innen“. Dies ermöglicht ebenfalls, alle Geschlechter einzubeziehen und eine inklusive Sprache zu fördern, wobei der Doppelpunkt typografisch weniger auffällig ist als der Genderstern. Allerdings können auch hier Formen mit Umlaut kompliziert sein wie beispielsweise der:die Arzt:in oder Ärzt:in, der:die Bauer:in oder Bäuer:in. In solchen Fällen ist es ratsam, beide Formen zu nennen, um die Lesbarkeit zu gewährleisten und keine Geschlechter auszuschließen.

Gender-Gap

Eine weitere Variante ist der Einsatz des Gendergaps, bei dem männliche und weibliche Endungen durch einen Unterstrich getrennt werden wie zum Beispiel „Künstler_innen„, „Fahrer_innen“. Dadurch werden alle Geschlechter inkludiert und eine inklusive Sprache gefördert, ähnlich wie beim Genderstern und dem Doppelpunkt. Jedoch bleibt die Problematik bei Formen mit Umlaut bestehen, was die Lesbarkeit beeinträchtigen und zu Verwirrung führen kann, insbesondere bei komplexeren Begriffen.

Binnen-I

Das Binnen-I ist eine gängige Methode zur Förderung geschlechtergerechter Sprache, bei der ein großgeschriebenes „I“ in die Mitte des Wortes eingefügt wird wie zum Beispiel bei LehrerInnen und PolitikerInnen. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass sie Frauen und Männer in einem Begriff repräsentiert und damit eine Gleichbehandlung im Schreiben anstrebt. Allerdings betont das Binnen-I die geschlechtliche Binarität und spricht Menschen, die sich weder als weiblich noch männlich identifizieren, nicht an. Zudem entspricht diese Form nicht den gültigen Rechtschreibregeln und kann zu Leseschwierigkeiten führen, insbesondere bei zusammengesetzten Begriffen. Auch treten ähnliche Probleme mit Umlauten auf wie beim Genderstern oder dem Doppelpunkt.

Doppelte Nennung

Konsequente Dopplung ist eine Methode, bei der sowohl die weibliche als auch die männliche Form eines Begriffs verwendet wird, wie bei „Arbeiterinnen und Arbeiter“ oder „Bürger und Bürgerinnen“. Diese Vorgehensweise gewährleistet formale Korrektheit und berücksichtigt die Gleichberechtigung beider Geschlechter. Es spielt keine Rolle, welche Form zuerst genannt wird, da echte Gleichberechtigung keine Geschlechterpräferenz haben sollte. Jedoch kann diese Methode den Redefluss beeinträchtigen und zu längeren Texten führen. Manchmal wird sie auch übermäßig angewendet, was zu unpassenden Formulierungen führen kann. Zudem betont sie die geschlechtliche Binarität und spricht Menschen, die sich außerhalb dieser binären Kategorien definieren, nicht an.

Unabhängig von der gewählten Variante ist es wichtig, sich für eine bestimmte Form zu entscheiden und diese konsequent umzusetzen – es sei denn, es handelt sich um ein direktes Zitat. Du kannst gerne bei deinen Professor:innen nachfragen, welche Form sie bevorzugen.

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