KI und Bildung

 

In der modernen Bildungslandschaft hat die Künstliche Intelligenz (KI) Einzug erhalten und verändert, wie Studierende und Forschende Informationen suchen und ihre akademischen Aufgaben bewältigen. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist ChatGPT, ein KI-Text-Bot, der an der Hochschule Bochum und an anderen Bildungseinrichtungen genutzt wird, wie etwa in einem Beitrag von SWR2 Wissen vom 18. März 2023 erläutert.

Die Veränderung des Lernprozesses

Im Manuskript zur Sendung heißt es, dass ChatGPT den Lern- und Lehrprozess an Bildungseinrichtungen ähnlich revolutioniert hat wie Suchmaschinen in den 1980er-Jahren die Art und Weise, wie auf Bibliothekskataloge zugegriffen wurde. Der KI-Text-Bot ist stets im Hintergrund geöffnet und unterstützt Studierende bei der Recherche von Informationen, der Beantwortung von Fragen und sogar bei der Generierung von Computercode. Die Stärke von ChatGPT liegt in seiner Fähigkeit, Suchaufgaben zu übernehmen und schnelle, präzise Antworten auf Fragen zu liefern. Dies verkürzt den Weg zum Wissen erheblich. Studierende müssen jedoch trotzdem weiterhin Fakten lernen und eigenständig denken.

Die Qualität der Texte und ihre Fallstricke

ChatGPT verblüfft zunächst nicht nur durch seine Suchfähigkeiten, sondern auch durch die Qualität der generierten Inhalte. Der Bot kann Texte erstellen, weiterbearbeiten und sogar den Schreibstil anpassen. Auf den ersten Blick liefert er schlüssige und gut strukturierte wissenschaftliche Texte, einschließlich Quellenangaben. Doch genau hier liegen Herausforderungen. Eine wichtige Warnung kommt von Informationswissenschaftlerin Katrin Weller. Sie betont, dass die von ChatGPT generierten Aussagen nicht auf fundierten Analysen basieren, sondern auf vorprogrammierten Textvorlagen. Studierende sollten daher nicht blindlings vertrauen und stets kritisch hinterfragen, ob es sich um Fakten oder falsche Informationen handelt.

Herausforderungen der KI an einem Beispiel

Im SWR2-Beitrag verdeutlicht Sprachwissenschaftlerin Kristin Kopf die Risiken der Nutzung: Sie stellte ChatGPT auf die Probe und bat ihn, einen Text einer bestimmten Sprachstufe des Deutschen zuzuordnen. Die erhaltene Antwort schien zunächst valide, doch bei genauer Prüfung stellte sich heraus, dass der Bot falsche Informationen lieferte. Er erfand sogar Quellen, um seine  Behauptungen zu untermauern. Diese Erfahrung zeigt, dass Studierende, insbesondere in den Anfangssemestern, Schwierigkeiten haben könnten, die von ChatGPT gelieferten Daten zu überprüfen. Die Inexistenz von Informationen nachzuweisen ist allerdings eine anspruchsvolle Aufgabe.

Der Umgang mit KI in der Bildung

Bei der Verwendung von KI in der Bildung drängt sich also eine wichtige Frage auf: Wie sollen Bildungseinrichtungen damit umgehen? Einige Hochschulen, wie die Hertie School in Berlin, fordern transparente Kennzeichnungen für die Verwendung von KI-Tools und fördern den Einsatz solcher Systeme in der Lehre. Andere, wie die Uni Tübingen, verbieten den Einsatz von KI bei  schriftlichen Studien- und Prüfungsleistungen.

Doch die Digitalisierungsforscherin Katrin Weller argumentiert, dass ein vollständiges Verbot nicht der richtige Weg sei. Die  Hochschulen müssten die Absolventen vielmehr auf die digitale Zukunft vorbereiten und die Potenziale von KI nutzen. Sie schlägt vor, KI-Texterstellung in den Bildungsprozess zu integrieren, beispielsweise durch die Anforderung, einen KI-generierten Text zu
überarbeiten und zu verbessern.

Chancen für die Wissenschaft

Die Einbindung von KI in Bildung und Wissenschaft kann auch positive Effekte mit sich bringen. KI-basierte Tools können etwa dazu beitragen, Bildung gerechter und effizienter zu gestalten. Sie bieten Studierenden die Möglichkeit, auf hochwertige Lehrinhalte zuzugreifen und den Lernprozess zu vertiefen. Darüber hinaus kann die wachsende Bedeutung von KI in der Forschung zur Entwicklung neuer Lehrmethoden und Technologien führen, die den Bildungsbereich insgesamt vorantreiben.

KI-Tools in der Prüfungsvorbereitung

Ein weiteres Beispiel für den Einsatz von KI in der Hochschulbildung bietet Nils Lentzen, ein Master-Student an der Hochschule Bochum. Als studentischer Mitarbeiter hat er die Aufgabe, Klausuren und Übungen für Informatikstudierende vorzubereiten. Bisher wurden Prüfungen auf Papier im Multiple-Choice-Format durchgeführt. Jetzt jedoch testet er ChatGPT für die Vorbereitung. Er ist
überrascht von der Effizienz des KI-Tools, das innerhalb von Sekunden Aufgabenstellungen und Antworten für Übungen zur  Versionsverwaltung Git generiert. Dies löst die Frage aus, ob KI-Textbots in Zukunft auch für die Erstellung von Klausuraufgaben eingesetzt werden könnten.

Die Zukunft der Bildung mit KI

Es ist klar, dass KI-basierte Textgenerierungstools die Bildungslandschaft verändern und Lehrkräfte sowie Bildungseinrichtungen vor neue Herausforderungen stellen. Die Interaktion mit KI wird zur Norm werden und die Bildungseinrichtungen müssen sicherstellen, dass diese Veränderungen sinnvoll gestaltet und ethischen Standards gerecht werden. Die Integration von KI in
Bildung und Forschung erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Schaffung neuer Lehr- und Prüfungsmethoden.

Die Wissenschaft steht also vor der Aufgabe, den Einsatz von KI-Tools zu regulieren und sicherzustellen, dass Forschung und Lehre weiterhin auf authentischen Leistungen basieren. KI kann eine Bereicherung für Bildung und Wissenschaft sein, solange sie verantwortungsbewusst eingesetzt wird und die Integrität des Bildungssystems gewahrt bleibt. Die Zukunft der Bildung liegt in
der Hand von Forschenden, Lehrpersonen und der Gesellschaft insgesamt, um sicherzustellen, dass KI in Bildung und Wissenschaft auf ethische und nachhaltige Weise genutzt wird.

Quelle: SWR2 Wissen. ChatGPT an der Uni – Wie Text-Bots Studium und Lehre verändern von Kai Rüsberg
Sendung vom: Samstag, 18. März 2023, 8:30 Uhr