Im Laufe deines Studiums bist du bestimmt schon einmal auf die Begriffe Validität, Reliabilität und Objektivität gestoßen. In der Forschung sind dies wichtige Elemente, um die Qualität von Studien sicherzustellen. In diesem Beitrag erklären wir dir ganz einfach und Schritt für Schritt, wie du diese sogenannten Gütekriterien auch für deine empirische Untersuchung gewährleisten kannst.
Was sind Gütekriterien überhaupt?
Unter Gütekriterien werden verschiedene Eigenschaften zusammengefasst, mit deren Hilfe du die Qualität deiner empirischen Erhebung besser beurteilen kannst. Dabei geht es vor allem darum, dass deine Messinstrumente, dein Erhebungsverfahren und deren Konzeption und Anwendung bestimmten Standards unterliegen sollten. Sind die Gütekriterien bei deiner Studie erfüllt, kannst du verlässliche Erkenntnisse über deine gewonnenen Daten erhalten.
Welche Gütekriterien passen zu meiner Forschung?
Zunächst musst du schauen, was Gegenstand deiner Forschung sein wird:
Quantitative Untersuchungen zielen darauf ab, einen Datensatz mit möglichst vielen (Zahlen-)werten zu analysieren. Du möchtest also numerische Daten erheben (etwa mithilfe eines Fragebogens und Antwortmöglichkeiten auf einer Skala, z. B. von 1 bis 5). Das Ziel ist es, über ausgesuchte Merkmale systematisch und mit möglichst vielen Daten deine vorherigen Annahmen (Hypothesen) statistisch zu testen.
Qualitative Forschung beschäftigt sich mit der Ergründung von Phänomenen, also der Analyse von Gründen, Motivationen und Meinungen. Ein typisches Beispiel ist ein qualitativer Fragebogen, bei dem die Probanden keine Einschätzungen auf Skalen abgeben, sondern ihre Meinungen und Erfahrungen äußern. Diese analysierst du dann über Verfahren wie die Inhaltsanalyse nach Mayring. Hier liegen dir keine Zahlenwerte vor, sondern Aussagen deiner Probanden.
Forschst du also quantitativ, lassen sich deine Gütekriterien klar definieren: Validität, Reliabilität und Objektivität. Für die qualitative Forschung, schau gerne mal in die entsprechenden Anleitungen.
Wie kann ich Validität, Reliabilität und Objektivität gewährleisten?
Erst einmal ist es sinnvoll zu verstehen, dass die Gütekriterien hierarchisch aufeinander aufbauen. Im Folgenden siehst du die drei Hauptgütekriterien quantitativer Forschung. In der Reihenfolge, in der sie erfüllt sein müssen. Jede nachfolgende Stufe ist nur nach Erfüllung der vorhergehenden zu erreichen.
1 – Objektivität: Unabhängigkeit vom Forschenden
2 – Reliabilität: Reproduzierbarkeit
3 – Validität: Inhaltliche Gültigkeit
1. Objektivität
Sie befindet sich auf der untersten Stufe und ist damit eine direkte Bedingung für Reliabilität, die gleichzeitig Bedingung für Validität ist.
Das Kriterium der Objektivität gibt an, inwieweit das Messergebnis unabhängig davon ist, wer den Test durchgeführt hat. Wenn eine Untersuchung objektiv durchgeführt wird, dann sollte ein anderer Forscher mit genau dem gleichen Setting auch die gleichen Ergebnisse wie du erhalten. Du als Versuchsleiter solltest also keinen Einfluss auf die Durchführung, Auswertung und Interpretation der Studie nehmen.
Beispiel: Es könnte sein, dass du jedem Versuchsteilnehmer einzeln erklärst, wie die Befragung abläuft. Dadurch könntest du ungewollt Einfluss auf die Probanden nehmen, da du nicht immer zu 100% gleich sprechen und agieren wirst. Daher ist es ratsam, in solchen Fällen eine schriftliche Anleitung auszuteilen, sodass diese Verzerrung schon einmal ausgeschlossen werden kann und alle Probanden mit den gleichen Voraussetzungen starten.
2. Reliabilität
Hier geht es darum, ob deine Forschung auch zuverlässige Ergebnisse liefert, wenn sie noch einmal durchgeführt werden würde. Es geht also um den Grad der Genauigkeit, mit der ein Test eine bestimmte Eigenschaft misst. Wenn man sich also eine bestimmte Frage innerhalb deines Fragebogens anschaut, dann soll die Reliabilität sicherstellen, dass dieses sogenannte „Item“ bei einer wiederholten Messungen etwa die gleichen Ergebnisse produziert für dieses bestimmte Phänomen.
Beispiel: Mehrere erfahrene Automechaniker werden gebeten, anhand einer standardisierten Checkliste den Zustand eines gebrauchten Fahrzeugs zu bewerten. Das Bewertungssystem ist reliabel, wenn die verschiedenen Mechaniker zu ähnlichen Gesamtbewertungen des Fahrzeugzustands kommen. Die Checkliste weist in diesem Fall eine hohe Reliabilität auf.
3. Validität
Bei diesem Kriterium geht es darum, dass der Test auch wirklich genau das Merkmal misst, das er vorgibt zu messen. Wie genau kann also mit den erhobenen Daten auf das Merkmal geschlossen werden, das der Test erfassen möchte? Wenn der Test also valide ist, dann gibt er glaubwürdige Ergebnisse aus.
Beispiel: Bei einem Mathematiktest für Schüler wird die Zeit gemessen, die sie brauchen, um komplexe Gleichungen zu lösen. Dabei darf die gemessene Lösungszeit nicht davon abhängen, wie schnell die Schüler ihre Antworten aufschreiben können, denn dann würden ihre Schreibfähigkeiten zumindest mitgemessen werden.
Die Ausführungen sollen dir einen allgemeinen Überblick zu den Gütekriterien quantitativer Forschung verschaffen. Für eine detaillierte Beschreibung der Kriterien und ihren Messmethoden schau gerne bei der TU Dresden oder der Uni Leipzig vorbei.


